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Weimar (Cityguide)

Weimar – Klein, aber oho
Fast stoisch schlängelt sich die Ilm durch Weimar. Eingebettet in wohl Thüringens schönsten Landschaftspark vervollständigt sie das Bild von Romantik und der guten alten Zeit. Satte Wiesen versprechen Idylle, ausgesuchte Bäume stehen für reizvolle Ausblicke – hier treffen deutsche Klassik und englische Gartenarchitektur aufeinander. Doch die Stadt ist weit mehr als das grüne Herz Mitteldeutschlands.

Weimar - Weltkulturerbe
Inmitten von beeindruckenden Gebäuden entwickelte sich ein Potpourri von Politik, Kultur, Kunst und Lebensart. Von je her zog die ehemalige Residenzstadt bedeutende, einflussreiche Persönlichkeiten an - Männer wie Frauen. Herzogin Anna Amalia und ihr Sohn Carl August stehen noch heute für Aufklärung und Toleranz; dem Monarchen ist die erste deutsche Verfassung (1816) zu verdanken. Der zeitweilige Wohnort von Goethe, Schiller, Bach, Liszt, Herder, Feininger oder van der Velde wurde durch ihren Einfluss zum Sinnbild für Können, Format und Stil. Beim Stadtbummel begegnet man auf Schritt und Tritt Spuren deutscher und europäischer Geschichte. So scheint es nur logisch, dass Weimar 1998 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde.

Weimar - Kunst und Kultur
Spätestens seit dem verheerenden Brand der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek (HAAB) weiß der Rest der Welt um die Buchschätze Weimars. Weniger bekannt ist der Fakt, dass Goethe maßgeblich die Bestände aufstockte. Er war 35 Jahre lang als leitender Bibliothekar eingesetzt und vermehrte die Bücherzahl auf 120.000 Exemplare. Gegenwärtig umfasst die HAAB mehr als 1.000.000 Ausgaben, dazu zählt die weltweit umfangreichste Faust-Sammlung mit etwa 13.000 Publikationen. Unbedingt sehenswert: In neuem Glanz erstrahlt der dreigeschossige Rokokosaal. Wer mit Filzpantoffeln durch die Belle Etage wandeln will, sollte sich schon im Voraus anmelden unter www.anna-amalia-bibliothek.de oder muss früh vor Ort sein. Das freiverkäufliche Tageskontingent beschränkt sich auf 70 Karten.
Modern, kritisch und vielversprechend vermittelt das Autonome Cultur Centrum zwischen dem etablierten Weimar und zeitgenössischem Leben. Unter dem Dach des ACC findet man: Galerie, Atelier, Kulturzentrum, Restaurant (Geheimtipp!) und Übernachtungsmöglichkeiten (Fewo und Gästezimmer). Nähere Informationen: www.acc-weimar.de

Weimar – Genuss
„Aber kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er hinterlässt, ist bleibend.“ Goethe hat den Kern der Sache erkannt; wahrscheinlich schätzte er die bodenständige Hausmannskost. Rostbrätel, Thüringer Klöße oder Prophetenkuchen schmecken hervorragend, landen aber ungesehen auf der Hüfte. Leichtere Küche hat Einzug gehalten; dazu einige Empfehlungen:
* Anno 1900, Geleitstraße 12
* Osteria Bertagnolli, Seifengasse 16 (auf jeden Fall reservieren!)
* Residenz-Café, Grüner Markt 4
* Suppenbar „Estragon“, Herderplatz 3
* Feinkost Hauffe, Kaufstraße 9-11
* Café Divan, Brauhausgasse 10
* Café Frauentor, Schillerstraße 2

Weimar –Buchenwald
Keine Frage, Weimar polarisiert. Über Jahrhunderte projizierten die Reichen und Mächtigen ihre Interessen auf diese Stadt. „Adolf Hitler stellte Weimar neben die Kultstätte Bayreuth und machte es zur gespenstischen Kulisse völkischen Wahns. Spuren davon sind heute noch zu sehen und zu betreten… Bis 1945 wurden hier mehr als 40.000 Menschen ermordet. Die Nähe des Lagers zu den Orten der deutschen Klassik ist natürlich kein Zufall: Weimar sollte auf ewig ..mit den Symbolfiguren des deutschen Geistes und der Macht des Nationalsozialismus“ verbunden sein. (1) Ist also Weimar ein lebendes Denkmal? Ja und Nein. Die Stadt ist das konkrete Beispiel davon, wie Kultur und Geschichte eng miteinander verwoben sind. Machen Sie sich selbst ein Bild. Erleben Sie das Mythos Weimar mit allen Sinnen und lassen Sie sich überraschen! Das Erbe ist groß, doch die Zeit steht nicht still.
Quelle: (1) www.sueddeutsche.de/reise/638/413408/text/print.html
Autor: admin

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