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Schwindelgefühle - Ursachen (Krankheiten)

1. Drehschwindel
Sie kennen das Gefühl einer zu schnellen Karussellfahrt? Dann schwant Ihnen, wie sich Drehschwindel äußert. Meist hält diese Verfassung über mehrere Stunden bis Tage an. Besonders unangenehm wird es für die Betroffenen, wenn Übelkeit, Erbrechen und Augenzittern hinzukommen. Oft gesellt sich noch eine Fallneigung dazu. Die Symptomatik tritt gehäuft im Alter von 50 bis 60 Jahren auf, Frauen leiden daran eher als gleichaltrige Männer.

In aller Regel basiert der Drehschwindel auf einem Defekt des Gleichgewichtsorgans. In vielen Fällen ist die Entzündung des Gleichgewichtsnervs (Neuritis vestibularis) dafür der Auslöser und der Vestibularapparat arbeitet nur noch einseitig. Erfahrungsgemäß verschwinden derartige Störungen binnen ein bis zwei Wochen. Solche entzündlichen Geschehen entstehen oft durch Virusinfektionen.
Auch geschädigte Hirnstrukturen verursachen gelegentlich permanenten Drehschwindel. Die Palette der Defizite reicht von Durchblutungsschwierigkeiten bis zu gut- und bösartigen Hirntumoren.

2. Morbus Menière
Urplötzlich, mit voller Wucht und für wenige Minuten – so tritt der sogenannte Attackendrehschwindel auf. Gepaart mit Übelkeit und hochgradiger Fallneigung sucht er seine Opfer heim.

Bei jüngeren Menschen sollte bei solchen Anfällen an eine Migräne gedacht werden. Während bei Senioren arteriosklerotisch bedingte Gefäßveränderungen im Hirn oder Nervenschädigungen (z. B. Multiple Sklerose) Attackendrehschwindel bewirken.
Morbus Menière kommt selten vor, ruft aber so geartete Schwindelinvasionen hervor. Die Erkrankung wird zwischen dem vierzigsten uns sechzigsten Lebensjahr beobachtet. Typische Anzeichen sind:
* plötzlich auftretender Drehschwindel verbunden mit Fallneigung
* schlechter in Bewegung, daher Versuch „Kopf still zu halten“
* Übelkeit, Unwohlsein, Erbrechen
* Augenzittern (Nystagmus)
* Blässe
* Schwitzen, kalter Schweiß

Ferner berichten Patienten über ein Druckgefühl im Ohr. Sie hören während des Anfalls weniger oder gar nicht mehr, manche klagen über Ohrgeräusche (Tinnitus). Liegt ein Tinnitus bereits vor, kündigt er die Attacke an.

Wie kommt Morbus Menière zustande?
Flüssigkeit staut sich im Innenohr. Hält die Verstopfung mit Lymphe länger an, zerreisen die dünnen Labyrinthwände der Hohlräume. Das passiert mit zuverlässiger Regelmäßigkeit und provoziert die Ausbrüche von Drehschwindel. Im weiteren Verlauf des Morbus Menière treten unerwartete Stürze ein. Druckschwankungen der Lymphflüssigkeit im Innenohr rufen sie hervor.
Im Großen und Ganzen klingt die Krankheit im Verlauf von fünf Jahren ab.
Das innere Gleichgewicht finden
Zuerst die gute Nachricht: Sie können allerhand tun, damit es Ihnen besser geht. In vielen Fällen sind Schwindelattacken Ausdruck eines seelischen Ungleichgewichtes. Die Betroffenen haben ihre Mitte verloren. Deshalb sprechen alternative Heilverfahren gut an. Versuchen Sie Ihr Leben ruhig und ausgewogen zu gestalten. Üben Sie, stressige Situationen zu meistern. Hilfreiche Kurse, wie Muskelrelaxation nach Jacobson, Atemtherapie oder körperorientiertes Bewegen nach der Feldenkrais-Methode bieten die Krankenkassen an.
Und jetzt die weniger gute Nachricht: Ihr Schwindel wird im Laufe der Zeit mäßiger, verschwindet aber nie ganz. Sie können lernen, mit derartigen Anfällen umzugehen. Dabei verbessern physiotherapeutische Behandlungen oder osteopathische Sitzungen das Krankheitsbild wesentlich. Neben konventionellen Medikamenten, die Durchblutung und Hirnstoffwechsel steigern, kommen auch homöopathische Präparate zum Einsatz. 

3. Psychogener Schwindel
Traumatische Erlebnisse, Angst und psychische Erkrankungen gehen fast mit dem „phobischen Attackenschwindel“ einher. Wie sein Name schon sagt, resultiert er aus Angsterkrankungen oder gewaltigem seelischen Druck. Für die Betroffenen ist ihre Situation häufig ein Teufelskreis, aus dem sie ohne Expertenhilfe kaum herausfinden.

Zu den Schwindelanfällen suchen sie folgende Begleiterscheinungen heim:
* Herzrasen
* Schweißausbrüche
* subjektive Unsicherheit beim Gehen und Stehen
* Beklemmungsgefühl in der Brust
* Atemnot
* trockene Mundschleimhaut
* Leere im Kopf
* Übelkeit

Potenzieren sich alle Symptome gegenseitig, liegt eine Panikattacke vor.
Angstschwindel trifft beide Geschlechter. Frauen erleben die Anfälle zwischen ihrem 30. und 40. Lebensjahr, Männer leiden in der Dekade zwischen 40 und 50 Jahren daran. Anfangs dauern die Schwindelinvasionen nur wenige Sekunden, doch ihr Ausmaß prägt nachhaltig. Denn die Attacken sind nach Patientenaussagen von lebensbedrohlichem Charakter. Angst setzt sich fest. So sehr, dass Mann/ Frau besorgt und verschreckt dem nächsten Schwindel entgegen sehen. Diese Furcht begünstigt das Herausbilden eines chronischen (dauerhaften) Zustandes.
Zu erwähnen sei noch, dass vor dem psychogenen Angstschwindel häufig eine organische Krankheit mit begleitenden Schwindelzuständen auftritt.

Angst vor Brücken, großen Plätzen
Phobischer Attackenschwindel fühlt sich deplaciert und unmöglich an. Wesensgemäß ereilt er seine Opfer in ausgesuchten Situationen und an speziellen Plätzen:
* Auto fahren
* Fliegen
* Überqueren von Brücken
* große Plätze
* Menschenansammlungen, z. B. Warenhäuser, Messen
* leere Räume
Kündigt sich der Schwindel an, gilt es Ruhe zu bewahren. Legen Sie sich nieder, möglichst mit hochgelagerten Beinen. So fließt das Blut dahin, wo aktueller Bedarf besteht. Um die Durchblutung anzukurbeln, können Sie auch Ihre Arme hochstrecken.
Halten die Schwindelsymptome an oder treten in deutlich kürzeren Zeitabschnitten auf, müssen sie ärztlich abgeklärt werden.

4. Visueller Schwindel
Reisekrankheit. Mit diesem Begriff verbinden die meisten Menschen unangenehme Erlebnisse auf See und während Bus- oder Bahnfahrten. Beim visuellen Schwindel geschieht folgendes im Gehirn: Die Reizübertragungen von Auge und Ohr befinden sich in einem Missverhältnis. Visuell wird Stillstand signalisiert, obwohl das Gleichgewichtsorgan Bewegungen registriert. Dann weisen bekannte Vorboten auf den Schwindelanfall hin. Zuerst kommt das mulmige Gefühl im Magen, dann wird einem flau und übel. Schließlich schwankt und dreht sich alles, meist folgt noch Erbrechen.
Reisekrankheit ist kein geschlechterspezifisches Phänomen. Jedermann/-frau kann jederzeit darunter leiden. Kurioserweise litten selbst gestandene Seeleute und Piloten litten nach jahrelangem Arbeiten (ohne Probleme) an der optokinetischen Bewegungskrankheit.
Sofern keine ernste, organische Ursache für Schwindel, Übelkeit usw. existiert, stehen für den Fall der Fälle Haus- und Arzneimittel zur Verfügung.
* Ingwer: Die scharfe Knolle wirkt wunderbar gegen Unwohlsein und Brechreiz. Roh, in kleine Scheibchen geschnitten und gekaut steigert Ingwer den Allgemeinzustand. Wer den intensiven Geschmack nicht mag, sollte auf Ingwerpräparate in Tabletten- oder Pulverform umsteigen.
* Antihistaminika: Schwere Verläufe erfordern verschreibungspflichtige Medikamente. Frei erhältlich sind: Reisekaugummis, -dragees oder –saftähnliche Pharmazeutika.
* Homöopathie: Das Allroundmittel Cocculus verspricht schnelle Hilfe bei Drehschwindel, Übelkeit und starker Schwäche. Dazu jeweils ein Globuli (Potenzierung D6) alle 15 min lutschen.
Tabacum D6 hilft bei Autofahrten mit starkem Schwindel, dem Gefühl elender Erschöpfung und kaltem Schweiß.
Seekrankheit kann mit Theridion D6 behandelt werden. Die Beschwerden Schwindel, Übelkeit und Erbrechen verschlimmern sich bei der geringsten Lageänderung. Außerdem ist der Patient überaus geräuschempfindlich.


5. Lagerungsschwindel
Schnelle Kopfbewegungen, wie das Drehen, lösen den Lagerungsschwindel aus. Er zählt, im Verhältnis zu weiteren Schwindeltypen gesehen, zu den häufigsten Schwindelleiden bei Erwachsenen. Zwar kann er in jeder Lebensphase auftreten, zeigt sich aber meist in der Alterspanne von 60 bis 80 Jahren. Frauen klagen eher darüber als Männer.
Ursache des benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels sind winzige, variable Kalkfragmente im Gleichgewichtsorgan. Diese kleinen Steinchen gleiten im Bogengang des Innenohrs hin und her und verursachen dadurch eine Funktionsstörung. Und weil das Gleichgewicht so sensibel reagiert, fühlt der Patient eine Drehbeschleunigung.
Kennzeichen
* kurze Anfälle mit ruckartigen Augenbewegungen (Nystagmus)
* Wahrnehmung, als drehe sich die gesamte Umwelt
* Auftreten bei Lagerungswechsel im Bett (nachts) oder direkt beim Aufsetzen nach Erwachen
* Schwindel setzt nach direkt nach Kopfbewegung ein, klingt aber innerhalb von 30 Sekunden wieder ab (Voraussetzung: Kopf muss ruhig in einer Position bleiben)
* erste Attacken gehen mit Übelkeit, Erbrechen und Angstzuständen einher
Lagerungsschwindel ist höchst unangenehm, im Allgemeinen eher unbedenklich. Dennoch sollten die Betroffenen ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen. Der landläufige Gedanke – „Was von allein kommt, wird auch wieder von selbst gehen“- ist hier mehr als deplaciert. Zwar sind spontane Gesundungen bekannt, aber nicht die Regel.
Zusammen können Arzt und Patient die Krankheit in Griff bekommen, denn es gibt Bewegungsabfolgen zur Selbsttherapie. Mit systematischen, wechselnden Lagerungsübungen werden die flexiblen Gewebeteilchen beeinflusst und aus dem Bogengang quasi „weg manövriert“. Medikamente sind beim paroxysmalen Lagerungsschwindel weniger angezeigt, da sie auf das zentrale Nervensystem einwirken und nicht den Ursprung beheben.

6. Asystematischer oder diffuser Schwindel
Umgangssprachlich fasst der Hirnschwindel nicht eindeutig definierbare Zustände zusammen. Er äußert sie wie folgt:
* unsicherer Gang
*  Schwanken und Taumeln beim Sitzen und im Stehen
* „Schwarzwerden“
Beeinträchtigte Hirnfunktionen sind der Anlass dieser Schwindelerkrankung. Externe Reize, die die Sinne an das Gehirn überbringen, kommen entweder nicht mehr an Ort und Stelle an oder werden in den zuständigen Arealen ungenügend verwertet.
Hirnschwindel ist also eine komplexe Angelegenheit. Was genau hinter dieser Störung steckt, muss eine ausführliche Diagnostik ergeben. Zum Beispiel rufen Durchblutungsstörungen, Schlaganfall, verschiedene Entzündungsgeschehen (Meningitis, Enzephalitis) oder epileptische Anfälle derartigen Schwindelattacken hervor. Ferner verursachen Defekte (beidseitig) am Gleichgewichtsorgan oder Ausfälle am Hirnstamm diffusen Schwindel. Manchmal gehen auch andere körperliche Leiden mit asystematischem Schwindel einher; selbst Medikamente wirken so auf das Denkzentrum.

Wie geht der Arzt vor?
Nach ausführlicher Befragung und Anamnese schließt sich die Untersuchung des Körpers an. Dem Arzt stehen dazu verschiedenste Möglichkeiten zur Verfügung:
* ENG (Elektronystagmografie): Hier werden Augenbewegungen (Nystagmen) nach Reizung des Gleichgewichtsorganes beobachtet und aufgezeichnet.
* VOG (Video-Okulografie): siehe ENG, die Augenbewegungsmuster geben Auskunft über etwaige Abweichungen
* AEP (akustisch evozierte Potentiale): Akustische Reize erwidert das Gehirn Entsenden von Wellen. Sie strömen entlang der Hörbahn und werden mit AEP berechnet. Asystematischer Schwindel z. B. stört den Fluss, die Wellen werden länger.
* Röntgenaufnahmen (nach Stenvers), Computertomografie
* EEG (Elektroenzephalografie): Messung der Hirnströme
* EKG (Elektrokardiogramm): Ausschluss innerer Krankheiten und Kontrolle der Reizleitung am Herzen
* Untersuchung von Liquor: Abnahme von Rückenmarksflüssigkeit mittels Punktion
* Wahrnehmungstests: Gehen, Stehen mit offenen und geschlossenen Augen, Hören, Augenbewegungen
* Neurologisches Abklären: Koordination, Motorik, Reflexe, vegetatives Nervensystem, Funktion der Hirnnerven


Disclaimer:
Diese Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für ärztliche Beratung angesehen werden. Der Inhalt von bestesalter.net kann und darf auf keinen Fall verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen. Wenden Sie sich bitte bei Beschwerden immer an Ihren Arzt.





Autor: admin

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