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Erzgebirge (Reiseberichte)

Alles kommt vom Bergwerk her: Silber – Wismut – Uran. Damit ist vieles, aber noch längst nicht alles über das Erzgebirge gesagt. Deshalb zunächst ein historischer Exkurs, um besser Land und Leute besser zu verstehen. Chronisten nennen die Mittelgebirgsregion „Miriquidi“ und meinen damit eine urwüchsige, dicht bewaldete, klimatisch raue Gegend. Kaum verwunderlich, denn der Erzgebirgskamm liegt 1000 m über dem Meeresspiegel.

Ackerbau oder Viehzucht versprachen wenig Erfolg, die Menschen mussten nach einer anderen Lebensgrundlage suchen. Und sie entdeckten Silbererz nahe der Bergstadt Freiberg sowie Zinnerz im Böhmischen. Die Kunde über die Funde verbreite sich wie ein Lauffeuer, zog die erste Besiedlungswelle nach sich, brachte Arbeit für viele und Reichtum für wenige.

Der Aufstieg kommt vor dem Fall
Als Salz zur begehrten Handelsware avancierte, profitierte der Landstrich auch davon. Vom mitteldeutschen Halle bis ins böhmische Prag zogen Kaufleute; der Salzhandel blühte und verschaffte einigen Anrainerstädten Wohlstand und Ansehen.
Zum Ende des Mittelalters war hier das Zentrum des mitteleuropäischen Bergbaus. Gelehrte, wie z. B. Georgius Agricola, Adam Ries oder Hieronymus Lotter beeinflussten diesen Landesteil wesentlich.

Der Fall kam nach dem Dreißigjährigen Krieg. Die Silberadern waren erschöpft, der Bergbau kriselte massiv. Aus der Not heraus suchten die Erzgebirger neue Erwerbszweige: Spitzen-, Borten-, Posamenten-, Holzwaren- und Spielzeugproduktion. Sie sicherten zumindest ein karges Auskommen. In Handarbeit fabriziert, spiegeln sie die Volkskunst der „Männelmacher“ und „Klöppelfrauen“ wider.

Weihnachtsland
Im Winter sahen die Bergleute keinen Sonnenstrahl - sie fuhren bei Dunkelheit ein und bei Nacht wieder aus. Daher also ihre Sehnsucht nach dem Licht, deshalb der (Ge) Brauch von Schwibbogen, Engel und Bergmann. Wer in der Adventszeit das Erzgebirge bereist, wird überrascht von erleuchteten Fenstern und geschmückten Markplätzen. Große Pyramiden drehen sich, Lichterketten tauchen Straßen und Gassen in ein festliches Flair. Weder bunt noch laut, sondern glanzvoll und leise – so lässt sich die Weihnachtsstimmung beschreiben. Fällt dann noch Schnee, wird der Zauber perfekt. Die Weihnachtsmärkte der Erzgebirgsstädte gewinnen an Popularität: Hier finden Sie original erzgebirgische Volkskunst, echten Christstollen, typisch regionale Produkte und einfache, aber schmackhafte Speisen. Pssst, der Lößnitzer Weihnachtsmarkt ist ein echter Geheimtipp (www.loessnitz.de).

Winter- und Sommersport
Gerne wird das Erzgebirge auf Räuchermänner, Spieldosen oder Nussknacker reduziert. Dabei hat die Region ganz andere Seiten, die es zu entdecken gilt: Trotz oder gerade der massiven Eingriffe in die Natur erwartet den Besucher eine sagenhafte Landschaft. Rund um den Fichtelberg (1.215 m), Sachsens höchsten Gipfel und seinem tschechischen Pendant, dem Keilberg (1.244 m) erstreckt sich das zentrale Erzgebirge. Kleine Dörfer, an Hänge geschmiegt, dazwischen Wälder und Bergwiesen, verleihen der Gegend ihr Charisma. Im Sommer geht ein Lüftchen, gurgelnde Bachläufe versprechen kühle Erfrischung.
Wandern ohne Grenzen ist möglich durch Tschechiens EU-Beitritt. Vorschläge finden Sie unter: www.wanderwelt.echt-erzgebirge.de. Ferner ist die Region ein Eldorado für Mountainbiker; sehr empfehlenswert der sogenannte „Annaberger Landring“ (www.radwandern-erzgebirge.de).

Wellness
Kuren im Erzgebirge hat Tradition. Seit im sächsischen Kurbad Schlema und im tschechischen Jáchymov radonhaltige Quellen entdeckt wurde, kamen zunächst die Wissenschaftler (Richard Friedrich, Marie Curie, Otto Hahn) und dann die Mächtigen dieser Welt. Vor und nach 1945 wurden beide Orte durch den Uranbergbau arg entstellt, der Kurbetrieb in der DDR aufgegeben. Doch die Wirkung des Radiums blieb; darauf besann man sich nach 1989 und ein Sanierungsprojekt sondergleichen beginnt. Das Örtchen Schlema schafft „fischelant“ (1) den Aufstieg zum Kurbad, kann aber dem mondänen Jáchymov (noch) nicht Paroli bieten. Fischelant - dieses Wort charakterisiert das Wesen der/s Erzgebirger/s am ehesten.

Quelle: (1) www.dradio.de/kulturnachrichten/200910051800/14
Autor: admin

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