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Diabetes erhöht Demenzrisiko (Vorsorge)

In Deutschland leiden etwa 1.6 Millionen Menschen an Demenz. Die Erkrankungsrate steigt dabei in der zweiten Lebenshälfte stark an. Sind von den Mitte 60-Jährigen noch etwa 1 Prozent betroffen, so steigt die Rate unter den 80-84-Jährigen auf ca. 13 Prozent an. Analytisch gesehen kann das Lebensalter als Hauptrisikofaktor einer Demenzerkrankung angesehen werden. Das bedeutet aber nicht, dass Demenz als reine kalkulierbare Alterserscheinung bezeichnet werden kann. Forscher untersuchen immer noch Auslöser für die Erkrankung, wobei sich zeigt, dass Diabetes einen großen Einfluss nehmen kann.

Diabetes ein demenzverursachender Risikofaktor

Zu den demenzerzeugenden Risikofaktoren gehören vor allem Hypertonie und Übergewicht. Dass Diabetes eine Demenz in ihrer Entwicklung beschleunigen kann, ist aus medizinischer Sicht schon länger bekannt. Allerdings tritt Diabetes meist in Verbindung mit Bluthochdruck bzw. Übergewicht auf. Daher war bisher noch nicht eindeutig geklärt, welchen Einfluss einzelne kardiometabolische Parameter und speziell Diabetes auf den kognitiven Abbau geistiger Fähigkeiten und die Entwicklung einer Demenzerkrankung tatsächlich haben.

Ein Forscherteam der Universität in Singapur ist dieser Frage in einer Longitudinalstudie nachgegangen. An der Studie waren über 2.600 Chinesen im Alter ab 55 Jahren beteiligt, wobei Frauen mit zwei Dritteln die größte Gruppe Probanden stellte. Die Studie war für
einen Zeitraum von fast zehn Jahren konzipiert, wobei im Rhythmus von drei Jahren Blutdruck, Bauchumfang, Fettwerte und Blutzucker festgehalten wurden.

Ebenso wurde in regelmäßigen Abständen durch neuropsychologische Tests die Kognitive Leistungsfähigkeit untersucht. Wiesen die Probanden unterdurchschnittliche Werte auf, wurden die weiteren Untersuchungen auf kognitive Beeinträchtigungen hinsichtlich einer Demenzerkrankung fokussiert. Im Ergebnis lies sichfeststellen, dass das Risiko für einen kognitiven Abbau bei den Studienteilnehmern mit metabolischem Syndrom um 46 Prozent höher eingestuft wurde als bei den Probanden ohne Risikofaktoren.

Unter einem Metabolischen Syndrom wird die Ansammlung verschiedener Symptome verstanden, die zur gleichen Zeit auftreten (sogenannter Systemkomplex). Zu den Symptomen eines metabolischen Syndroms zählen starkes Übergewicht (Adipositas), Bluthochdruck, erhöhter Blutzuckerspiegel und ein gestörter Fettstoffwechsel.

Diabetes entscheidender Faktor für kognitiven Abbau
Bei der abschließenden Würdigung aller Studienresultate sowie der kardiometabolischen Risikofaktoren konnten die chinesischen Forscher feststellen, dass das Risiko eines kognitiven Abbaus bei Diabetikern um das bis zu Vierfache erhöht war.

Hingegen war das Risiko bei einem vergrößerten Bauchumfang um 50 Prozent erhöht. Bezüglich des Blutdrucks als Risikofaktor konnte sogar kein signifikanter Bezug ermittelt werden. Während die Wissenschaft früher davon ausging, dass ein metabolisches Syndrom nur zu leichten kognitiven Einschränkungen führt, konnte das durch die asiatische Studie insbesondere im Hinblick auf Diabetes deutlich widerlegt werden.

Lebenserwartung Demenz erkrankter Diabetiker
Während bei der vaskulären Demenz Diabetes mellitus als etablierter Risikofaktor
wissenschaftlich erwiesen gilt, konnte ein entsprechender Zusammenhang bei Alzheimer-Demenz bisher zumindest nicht einheitlich hergestellt werden. Allerdings hat eine bevölkerungsbasierte Studie aus Australien nachgewiesen, dass sowohl die vaskuläre Demenz als auch Alzheimer-Demenz bei Diabetikern häufiger auftritt als bei Patienten ohne Diabetes.

In der Studie hatte das Forscherteam Daten von 25.000 Demenzkranken aus Westaustralien untersucht. Dabei litten 43 Prozent der Studienteilnehmer an Morbus Alzheimer und 10 Prozent an vaskulärer Demenz, wohingegen für die restlichen Patienten noch keine eindeutige Diagnose der Art der Erkrankung getroffen werden konnte.

17.3 Prozent der Probanden wiesen bereits vor der Demenz-Diagnose eine Diabetes auf. Im Ergebnis konnte zudem nachgewiesen werden, dass sich bei Diabetikern eine vaskuläre Demenz durchschnittlich drei Jahre früher und Morbus Alzheimer ein Jahr früher entwickelte. Zudem versterben Diabetiker mit Demenz rund zweieinhalb Jahre früher als stoffwechselgesunde Personen. Das bedeutet, die Lebenserwartung von Diabetikern mit Demenz-Diagnose ist deutlich
kürzer als bei Nicht-Diabetikern.

Leben mit Demenz
Demenz umschreibt den Verlust intellektueller Fähigkeiten wie Denken, Erinnern, Orientieren oder das Kombinieren einfacher Denkinhalte. Die Erkrankung verläuft schleichend und häufig in 3 typischen Schritten. Zu Beginn der Erkrankung sind die betroffenen Personen nicht mehr in der Lage neue Informationen zu verarbeiten oder kompliziertere alltägliche Aufgaben
zu erledigen. Im weiteren Verlauf wird es immer schwerer Alltagsaufgaben zu verrichten. Zudem beginnen die Patienten Wahnvorstellungen zu entwickeln und können Personen nicht mehr erkennen. Im Endstadium der Demenzerkrankung ist vor allem das Sprachzentrum gestört und die Betroffenen werden bettlägerig.

Die Therapie bei dementen Diabetikern gestaltet sich dabei kompliziert. Das liegt vor allem an der in der Praxis nur schwer kontrollierbaren Stoffwechsellage der Patienten im Alter. Es besteht ein ständiges Auf und Ab von Unter- bzw. Überzuckerung. Außerdem ist die Gefahr von Unterernährung ein Hauptproblem bei geriatrischen Personen insbesondere in Verbindung mit einer Demenz-Erkrankung.

Volkskrankheit Diabetes wird immer gefährlicher
Allein in Deutschland leiden 380 Millionen Menschen an Diabetes. Die Zahl soll nach Schätzungen der WHO zukünftig noch weiter steigen. Dabei müssen sich Diabetiker auf schwerwiegende mögliche Folgeerkrankungen gefasst machen. Sehstörungen, Gefäßerkrankungen, Nierenfunktionsstörungen sowie Störungen des vegetativen Nervensystems können entstehen. Nun muss auch Demenz dieser Liste hinzugefügt werden. Ärzte machen immer wieder darauf aufmerksam, dass die Volkskrankheit Diabetes und deren Auswirkungen auf die Gesundheit nicht unterschätzt werden sollen.

Hoffnung entsteht bei dieser Prognose, wenn die Verteilung der Diabetes Typen betrachtet wird. Lediglich etwa 10 Prozent der Patienten leiden an Diabetes Typ-1, welchem nicht vorgebeugt werden kann. Die Mehrheit wird jedoch mit Typ-2 diagnostiziert, welcher sich zu 80 Prozent auf eine falsche Ernährung und Übergewicht zurückführen lässt. Damit liegt es für die meisten Patienten bzw. Risikopersonen in der eigenen Hand, mögliche Gesundheitsschäden zu vermeiden. Neben der Ernährung spielen hier auch ausreichend Bewegung sowie die Vermeidung von Stress eine Rolle.



Autor: admin

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